Geriatrische Krankheiten

Arzneimittel im Alter

Der typische geriatrische Patient ist durch Multimorbidität gekennzeichnet. Infolge dessen ist eine intensivierte Pharmakotherapie notwendig.

Bei einem älteren Menschen ist aber oft die Kinetik eines Medikamtes, d. h. Resorption im Gastrointestinaltrakt, Distribution im Körper, Metabolismus in der Leber und Elimination über die Leber und/oder Niere, verändert. Bei älteren Menschen ist durch die verzögerte Entleerung des Magens und die Trägheit des Darms das Aufnehmen von Medikamenten verlangsamt. Durch das mangelnde Durstgefühl ist der Anteil zwischen Wasser und Fettgewebe verschoben und damit auch das Verteilungsvolumen der Pharmaka.

Die wirksamen Metaboliten werden durch die Leber und Niere umgewandelt. Dabei ist die Funktion insbesondere der Niere im Laufe unseres Lebens abnehmend und somit auch der Verstoffwechselung und Ausscheidung abnehmend.

Zusätzlich müssen Wechselwirkungen zwischen Medikamenten und Enzyme, die bei
Polypharmazie gehemmt oder verstärkt werden können, berücksichtigt werden. D.h. Medikamente können unter Umständen akkumulieren oder zu schnell abgebaut werden.

Viele Medikamente werden in der Geriatrie gemieden, weil das Nebenwirkungsprofil einen negativen Einfluss auf die Kognition, Verdauung, Nierenfunktion oder die Herzfunktion haben kann. Es stehen meist Alternativen zur Verfügung, deren Nebenwirkungen besser abgeschätzt oder kontrolliert werden können.

Medikamte werden zum Teil auch unter der Maxime "start low, go slow" gegeben.

Depression

„Im Alter ist das normal“ denken viele Menschen, wenn sie bei ihrem Vater oder ihrer Mutter eine gedrückte Stimmung oder Niedergeschlagenheit feststellen. Dabei verbirgt sich dahinter oft eine ausgewachsene Erkrankung, nämlich eine Depression.

Während ältere Menschen körperliche Leiden wie Kurzatmigkeit und Schmerzen oft genau und ausführlich schildern, deuten sie seelische Missstimmungen oft nur vage an und ziehen sich zurück. Deshalb verwundert es nicht, dass Depressionen im Alter lange Zeit unerkannt bleiben, obwohl 15-20% darunter leiden!

Es gilt also, Depressionen früh zu erkennen. Daher gehen wir bereits im Aufnahmegespräch und während der Aufnahmeuntersuchung nicht nur auf körperliche, sondern in der gebotenen Diskretion auch auf seelische Probleme ein. Dazu nutzen wir spezielle Fragebögen. So können wir rasch zu einer ersten Einschätzung der Stimmung kommen und Niedergeschlagenheit, das deutsche Wort für Depression, erkennen.

Neuropsychologen unserer Klinik führen dann mit ausdrücklicher Zustimmung des Patienten weitere Untersuchungen durch. Stellt sich heraus, dass es sich nicht um eine Depression, sondern beispielsweise um eine Anpassungsstörung handelt, setzen wir hier an.

Bestätigt sich die Depression, stehen je nach Art und Ursache nicht- medikamentöse und medikamentöse Behandlungen zur Verfügung, die wir in der geriatrischen Klinik beginnen und die der Hausarzt fortführen kann. Zentrale Bestandteile der geriatrischen Komplexbehandlung stellen Mobilisation und Hilfe zur Selbständigkeit durch Physio- und Ergotherapie sowie durch aktivierende Pflege dar. Darüber hinaus gibt es moderne antidepressiv wirkende Medikamente, die ihre Eignung und Verträglichkeit speziell beim älteren Patienten bewiesen haben.

Im geriatrischen Team bestehend aus Ärzten, Pflegenden und Therapeuten setzen wir in Absprache mit dem Hausarzt und Fachärzten diese Behandlung um.

„Mens sana in corpore sano“ – ein gesunder Geist und ein gesunder Körper  gehören zusammen – dieser althergebrachte Satz gilt auch und besonders für die  Altersmedizin (Geriatrie).

Gedächtnisstörungen im Alter.

Altersbedingt, akut oder Symptom einer Demenz?

Vergesslichkeit nimmt im Alter zu. Gedächtnisstörungen sind aber auch ein wesentliches Symptom demenzieller Erkrankungen. Ältere Menschen und deren Angehörige haben verständlicherweise Angst vor der Diagnose Demenz.Dennoch ist es wichtig, den Grad und Grund der Vergesslichkeit von einem Arzt abklären zu lassen.

Neben einer noch in der Altersnorm bestehenden Vergesslichkeit und einer demenziellen Erkrankung wie z. B. einer Alzheimer-Demenz können auch akute Einschränkungen des Gedächtnisses und anderer intellektueller Leistungen auftreten, z. B. im Rahmen einer akuten Vergesslichkeit mit Wesensveränderungen (Delir).

Die Ursachen für ein Delir können vielfältig sein, z. B.:

  • akuter Infekt
  • Medikamentennebenwirkungen
  • Flüssigkeitsmangel mit Veränderung der Blutsalze

Prinzipiell können delirante Syndrome durch die Therapie der Grunderkrankungen oftmals gut behandelt werden. Dabei ist bei Auftreten von Gedächtnisstörungen zunächst die entsprechende Diagnostik zur Abgrenzung deliranter Syndrome von demenziellen Erkrankungen wichtig.

Die Geriatrie mit ihrem multimodalen Team bietet dafür ideale Voraussetzungen: Ärztlicherseits können zugrunde liegende Ursachen wie Infekte, Elektrolytverschiebungen, Hormonstörungen (wie z. B. Schilddrüsenfunktionsstörungen) erkannt und behandelt werden. Ebenso kann eine weiterführende bildgebende Diagnostik mittels CT oder MRT des Kopfes veranlasst werden. Ein Screening-Test hinsichtlich der unterschiedlichen kognitiven Funktionen (MMSE-Test) wird bei allen unseren Patienten zu Beginn des stationären Aufenthaltes durchgeführt. Bei Auffälligkeiten kann dann in enger Absprache mit dem Patienten eine weitere differenzierte Diagnostik durch unsere Neuropsychologen erfolgen. Wichtig ist die Beurteilung durch das gesamte ärztliche, pflegerische und therapeutische Team, ob die Gedächtnisstörungen alltagsrelevante Auswirkungen haben.

In diesem Zusammenhang kann dann hinsichtlich der Therapie entschieden werden, ob eine medikamentöse Behandlung erforderlich ist und welche weiteren unterstützenden Maßnahmen eingeleitet werden sollten:

 

  • Kognitive Trainingsverfahren
  • Unterstützung der Angehörigen zu Hause
  • Anbindung an eine Tagespflege
  • weitere teilstationäre Behandlung

Um diese Maßnahmen gut umzusetzen, ist, auch unter Einschaltung des Sozialdienstes, eine enge Abstimmung zwischen der stationären geriatrischen Versorgung und der ambulanten Weiterbehandlung durch den Hausarzt sowie die ambulanten Pflegedienste wichtig.

Immobilität

Wenn Bewegung schwer wird.

Mangelnde Beweglichkeit und Immobilität gehören zu den häufigsten Einschränkungen , die ältere Menschen im Alltag erfahren. Herz- Kreislaufschwäche und Atemwegserkrankungen sowie Gelenkleiden und Schwindel beispielsweise bei Durchblutungsstörungen kommen oft zusammen und wirken sich oft beträchtlich negativ aus.

Oft kommt es zu wiederholten Stürzen oftmals mit Folgen wie Prellungen oder gar Knochenbrüchen . Ältere Menschen brauchen dann Hilfe und Unterstützung beim Aufstehen, bei der Körperpflege und auch bei Toilettengängen. Diese Abwärtsspirale gilt es mit einem individuellen aktivierenden Behandlungsprogramm zu durchbrechen.

Oft ist Immobilität Teil des sogenannten Frailty-Syndroms. Darunter verstehen Mediziner eine Gebrechlichkeit oder besser: Zerbrechlichkeit des älteren Menschen in Situationen wie akuter Erkrankung oder auch Flüssigkeitsmangel. Interessenlosigkeit und Antriebsschwäche, Gewichtsabnahme und Kraftlosigkeit sowie starkes Nachlassen der Beweglichkeit führen dann dazu, daß Patient und Angehörige sagen: " irgendwie geht es nicht mehr ". Der Hausarzt braucht dann eine spezialisierte Klinik, die dem Patienten einen Weg nach vorn zeigt.Ebenso bedürfen Patienten aus Kliniken oft einer sich anschliessenden mobilisierenden Behandlung.

Genau hier setzt Altersmedizin (Geriatrie) an.
Durch stationäre, tagesklinische und ambulante Behandlungen in unseren geriatrischen Kliniken können wir Erkrankungen des älteren Menschen günstig beeinflussen und ihn zudem aktivieren.

Hochfrequente Physio- und Ergotherapie sowie physikalischen Behandlungen wie Wärme und Massage führt der Patient nach einem individuellen Behandlungskonzept unter fachärztlicher Anleitung durch. Dabei stehen sowohl Einzel- als auch Gruppenanwendungen auf dem Programm.

Aktivierende Pflege und Versorgung mit Hilfsmitteln übernehmen wir ebenfalls und stellen mit unserem Sozialdienst für unsere Patienten die Integration in ein möglichst selbstbestimmtes Wohnumfeld zuhause oder bei Bedarf in einer Kurzzeitpflegeeinrichtung sicher.

Bei all dem arbeiten wir eng mit Ihrem Hausarzt/Ihrer Hausärztin zusammen und stellen mit ihm/ihr gemeinsam die Weiterversorgung nach Entlassung über einen ausführlichen und detaillierten ärztlichen Entlassungsbericht mit Behandlungsempfehlungen und beigefügtem Medikamentenplan sicher. Bei Bedarf geben wir Ihnen bei Entlassung für den erforderlichen Zeitraum die Medikamente mit, bis der Hausarzt Ihnen weitere verschreibt.

Mit dem auf drei Säulen beruhenden geriatrischen Behandlungskonzept - stationär, Tagesklinik und ambulante geriatrische Versorgung - können Patienten mit eingeschränkter Mobilität ihre Beweglichkeit und Selbstständigkeit, so gut wie möglich, zurückerlangen.

Mangelernährung

Akute oder dauerhafte Unterversorgung.

Oft wird eine Mangelernährung als solche nicht erkannt oder nicht beachtet. Beschwerden wie Müdigkeit, allgemeine Schwäche, Antriebslosigkeit und Gewichtsabnahme werden als "Altersschwäche" fehlgedeutet und schicksalhaft hingenommen.

Eine akute oder dauerhafte Unterversorgung mit Energie, Eiweiß  und/oder lebensnotwendigen Nährstoffen (z.B. Vitamin B12, Vitamin D, Calcium, Zink) nennt man Fehl- und Mangelernährung. Etwa jeder zweite geriatrische Patient ist von Mangelernährung betroffen.

Eine Fehl- und Mangelernährung kann viele verschiedene Ursachen haben. Dazu gehören:

  • Kau- oder Schluckbeschwerden, z.B. durch schlecht sitzende Zahnprothesen, Mundtrockenheit, Mund- und Speiseröhrenerkrankungen, Schlaganfall mit Schluckstörung, Parkinson
  • Verminderter Appetit und reduziertes Geschmacksempfinden, z.B. durch Medikamente
  • Essen meiden aufgrund von Schmerzen und Verdauungsbeschwerden
  • Unzureichende Verdauung und konsumierende Erkrankungen
  • Essensverweigerung, z.B. aufgrund von Demenz oder Depression
  • Soziale Probleme, z.B. Einsamkeit, Armut, Versorgungsprobleme

Das Fehlen von lebenswichtigen Nährstoffen führt zu einer Schwächung des Immunsystems.  Infektanfälligkeit ist die Folge. Durch den Mangel an Eiweiß, Vitamin D und Calcium werden Muskulatur und Knochen abgebaut,  ein erhöhtes Sturzrisiko entsteht, die körperliche Belastbarkeit nimmt ab, Bettlägerigkeit und Dekubitus drohen, Wunden heilen schlechter ab, Komplikationen treten häufiger auf.
Deshalb wird in der Geriatrie bei jedem Patient bereits bei Aufnahme der Ernährungsstatus erhoben und das individuelle Risiko für eine Fehl- und Mangelernährung  getestet. Wenn diese besteht, ermitteln wir die Ursache und kümmern uns uns darum, diese zu beheben.

Sturzkrankheiten

Ein Sturz ist sowohl für den Betroffenen als auch für sein Umfeld ein einschneidendes Ereignis. Neben den direkten körperlichen Folgen (Knochenbrüche, Verletzungen) können seelische Folgen hinzukommen (Fallangst).

Einem Sturz liegen meist mehrere Ursachen zugrunde. Um die Ursachen abzuklären und die Folgen zu behandeln, steht hinter der spezialisierten Fachabteilung der Medizin, der Geriatrie, ein multiprofessionelles Team. Das Ziel ist, alle möglichen Ursachen zu beleuchten und zukünftige Stürze zu vermeiden.

Grundsätzlich sind Stürze bei älteren Menschen meist eine Kombination aus

  • den physiologischen Alterungsprozessen wie z. B. Muskelabbau (Sarkopenie) und Gebrechlichkeit (Frailty)
  • individuellen Erkrankungen und ihren funktionalen Folgen
  • einer ("natürlichen") Änderung des Lebensstils und daraus resultierender reduzierter körperlichen Fitness

Es werden zwei Sturzarten unterschieden:

  • synkopale (nicht lokomotorische) Stürze (Stürze mit Bewusstlosigkeit) durch kardiologische oder neurologische Erkrankungen und
  • lokomotorische Stürze

Lokomotorische Stürze lassen sich nochmals unterteilen in:

 

  • Stürze, die durch besondere Umstände der Umgebung entstehen, z. B. Glatteis, also durch äußere Umstände verursacht sind (extrinsisch-lokomotorische Stürze), und
  • Stürze, die nicht mit Bewußtlosigkeit einhergehen, jedoch trotzdem in den Menschen selbst begründet sind und im normalen Alltagsgeschehen auftreten (intrinsisch-lokomotorische Stürze). Diese Gruppe macht bei weitem den größten Anteil aus.

Weitere Risikofaktoren für eine Einschränkung des Gleichgewichtes und auch des Gangbildes sind mannigfaltig. Dazu gehören Sehschwäche, Medikamente, die das Bewusstsein verändern, und auch der bereits genannte Muskelabbau.

Die Geriatrie ist unter anderem auch auf die Prävention spezialisiert. So finden in den Therapieeinheiten, als auch in den Visiten regelmäßige Kontrollen möglicher Risiken statt. Zudem kontrollieren wir mögliche Vitaminmangelzustände und Hormonstörungen, welche auch mit einem erhöhtem Sturzrisiko einhergehen. In der Folge sind diese Ursachen sehr leicht und einfach zu beseitigen.

Zudem beüben und kontrollieren wir in den täglichen Therapien durch Physiotherapie und Ergotherapie das Gangbild und die ggf. notwendige Versorgung mit Hilfsmitteln, wie z. B. einen Gehstock oder einen Rollator, um das Gehen sicherer zu machen und Stürze in Zukunft zu vermeiden.

Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, durch die familiäre Pflege, das häusliche Umfeld zu beleuchten, und die Angehörigen, die die Betroffenen in Zukunft zu Hause begleiten und betreuen wollen, eingehend zu beraten.

Um diese Aufgaben alle professionell und zeitgleich zu erfüllen, besteht das geriatrische Team aus vielen einzelnen Berufsgruppen, wie z. B. Pflege, Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie, Psychologie, Sozialdienst und Ärzten.